FREIheitsforum Memmingen
Die erste Ausgabe befasst sich mit dem Thema Schwangerschaftsabbruch: Zwischen Recht, Ethik und Lebensrealität
Das neue Format „FREIheitsforum Memmingen“ vom 24. Februar bis zum 12. März in Memmingen vereint Kulturprogramme mit Dialogformaten zu gesellschaftlich relevanten Fragen der Gegenwart.
1525 bot Memmingen den sicheren Rahmen für einen Dialog mit durchaus unterschiedlichen Positionen: am 6. März 1525 versammelten sich in der Kramerzunft veränderungswillige Vertreter der oberschwäbischen Bauernhaufen, um gemeinsam für eine bessere Zukunft mit mehr Freiheit und Gerechtigkeit einzustehen. In Erinnerung an dieses Ereignis möchte die Stadt Memmingen mit einem neuen Format den kontinuierlichen Austausch zu gesellschaftlich relevanten Fragestellungen fördern.
Das FREIheitsforum Memmingen widmet sich jährlich wechselnden Themen zu Freiheitsvorstellungen und Gerechtigkeit und ist Plattform für unterschiedliche Perspektiven. Die erste Ausgabe findet vom 24. Februar bis zum 12. März 2026 statt und befasst sich mit dem § 218 des deutschen Strafgesetzbuchs (StGB), der den Schwangerschaftsabbruch regelt und bereits bei den sogenannten „Memminger Prozessen“ in den Jahren 1988/1989 für heftige Diskussionen sorgte die bis heute anhalten.
Kaum ein Gerichtsverfahren der jüngeren Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hat die Öffentlichkeit so stark bewegt wie der Prozess vor dem Landgericht Memmingen gegen den Memminger Gynäkologen Dr. Horst Theissen wegen illegal durchgeführter Schwangerschaftsabbrüche ab September 1988. Dem Verfahren waren Untersuchungen durch das Finanzamt und die Staatsanwaltschaft vorausgegangen, ebenso wie Strafbefehle und Prozesse gegen zahlreiche betroffene Frauen vor dem Amtsgericht Memmingen. Am 5. Mai 1989 erging das Urteil; nach einer Revision vor dem Bundesgerichtshof fand das Verfahren im Januar 1994 seinen Abschluss vor dem Landgericht Augsburg. Die sogenannten „Memminger Prozesse“ fanden in einer Phase intensiver gesellschaftlicher und politischer Auseinandersetzungen über die Zulässigkeit von Schwangerschaftsabbrüchen statt. Doch auch nach der Neuregelung der §§ 218 und 219 im Jahr 1992 hält die Debatte über das Spannungsfeld zwischen dem Recht der Frauen auf reproduktive Selbstbestimmung und dem Schutz ungeborenen Lebens unvermindert an.
Das FREIheitsforum greift diese Debatte auf und eröffnet neue Perspektiven: Theater- und Filmvorführungen, ein Ausstellungsraum im Stadtmuseum sowie moderierte Gesprächs- und Dialogformate laden dazu ein, sich zu informieren, Positionen zu reflektieren und miteinander ins Gespräch zu kommen. Memmingen wird damit erneut zu einem Ort des Austauschs über zentrale Fragen unserer Zeit.
Das kulturelle Programm bietet die passenden Impulse:
Di 24.02.2026, 19:00 Uhr
Memminger Prozesse 1988/89
Quellen - Zugänge – Dokumentationen
Ort: Stadtarchiv Memmingen, Ulmer Straße 19
Projekt-Website unter www.stadtarchiv.memmingen.de
Anmeldung telefonisch (08331 850 1410) oder per Mail (stadtarchiv(at)memmingen.de)
Ab 03.03
Themenspecial: Büchertisch zum Weltfrauentag
Ort: Stadtbibliothek Memmingen, Martin-Luther-Platz 1
Do 05.03. und Fr 06.03.2026, 19:30 Uhr (Studio und im Anschluss Publikumsgespräch im Foyer)
Der Uteruskomplex – Ein Schauprozess
Theaterstück von Marie Sophie Rautenberg und Hystera Kollektivs Berlin
Ort: Landestheater Schwaben, Theaterplatz 2
Ticketverkauf über www.landestheater-schwaben.de
So 08.03.2026, 11:00 Uhr
§ 218 StGB und Memmingen: „Mutter aus Passion“ - Eine Filmmatinée mit Zeitzeuginnen-Gespräch
Ort: Hermansbau, Zangmeisterstraße 8, Im Anschluss: Snack & Talk im Rosa Raum, Waldhornstraße 18
Eintritt frei
Do 12.03.2026, 19:00 Uhr
Podiumsdiskussion: Spannungsverhältnis zwischen §218 und Lebensrealitäten Betroffener
Ort: Antoniersaal Memmingen, Martin-Luther-Platz 1
Eintritt frei
Veranstaltet wird das „FREIheitsforum Memmingen“ durch das Kulturamt der Stadt Memmingen. Das Programm der ersten Ausgabe entstand in enger Kooperation mit folgenden städtischen und nicht-städtischen Einrichtungen und Initiativen (in alphabetischer Reihenfolge): FrauenGeschichtsWerkstatt Memmingen e.V., Frauenhaus Memmingen, Frauennetzwerk Memmingen e.V., Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Memmingen, Stadtarchiv Memmingen, Stadtbibliothek Memmingen, Stadtmuseum Memmingen, Landestheater Schwaben.
Theaterplatz 2 (Foyer)
87700 Memmingen
Telefon: 08331 / 9459-16
Fax: 08331 / 9459-33
vorverkauf@landestheater-schwaben.de
https://www.landestheater-schwaben.de/
Hinweise:
Öffnungszeiten: Di-Sa 9:30 - 11:30 Uhr, zusätzlich Di + Do 16-18 Uhr
Eintrittsinfo (Kosten, Zugang, ...)
siehe jeweilige Veranstaltung
Kulturamt Memmingen
Ulmer Str. 19
87700 Memmingen
Telefon: 08331/850-1400
kulturamt@memmingen.de
www.memmingen.de/kultur.html